Wahlstation bei Bosch (4,5 Sterne)

Wahlstation bei Bosch (4,5 Sterne)

Kurzüberblick:

  • Die Wahlstation in der Rechtsabteilung von Bosch bietet praxisnahe Einblicke in die Arbeit eines international tätigen Technologiekonzerns. Referendar:innen arbeiten entweder in einem Business Team mit generalistischer Ausrichtung oder in einem spezialisierten Expertenteam (z. B. Kartellrecht, IP, M&A, Gesellschaftsrecht).

  • Die Tätigkeit umfasst insbesondere die Erstellung von Memos, Vertragsentwürfen und Präsentationen sowie die Beantwortung konkreter Rechtsfragen interner Mandant:innen. Die Rechtsabteilung deckt einen Großteil der juristischen Beratung inhouse ab und arbeitet eng mit verschiedenen Geschäftsbereichen zusammen.

  • Ein Teil der Arbeit ist digital organisiert, sodass teilweise remote gearbeitet werden kann; persönliche Präsenz im Team bleibt jedoch wichtig. Die Arbeitsatmosphäre wird als kollegial und professionell beschrieben, die inhaltliche Bandbreite als besonders abwechslungsreich. Insgesamt wird die Station mit 9 von 10 Punkten bewertet.
  • Bewertung: 4,5 Sterne

Erfahrungsbericht: Der folgende Erfahrungsbericht basiert auf den persönlichen Erfahrungen aus einer absolvierten Wahlstation in der Rechtsabteilung von Bosch an den Standorten Stuttgart und Gerlingen. Die Darstellung spiegelt individuelle Eindrücke aus dieser Zeit wider.

Welche fachlichen Schwerpunkte prägten den Tätigkeitsbereich der Station?

Im Rahmen meiner Wahlstation hatte ich die Möglichkeit, mehrere Monate in der Rechtsabteilung bei Bosch in Stuttgart zu verbringen. Die Station hat mir nicht nur einen realistischen Einblick in die Arbeit von Unternehmensjurist:innen gegeben, sondern auch mein Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge deutlich geschärft.

Die Rechtsabteilung ist breit aufgestellt und deckt nahezu das gesamte Spektrum wirtschaftsrechtlicher Fragestellungen ab, das man sonst aus einer Full-Service-Kanzlei kennt. Ein Großteil der juristischen Beratung erfolgt intern, sodass externe Kanzleien nur punktuell eingebunden werden.

Organisatorisch wird zwischen zwei Rollenmodellen unterschieden: Zum einen gibt es sogenannte Business Lawyers, die jeweils bestimmten Geschäftsbereichen zugeordnet sind und diese umfassend, also generalistisch, betreuen. Zum anderen existieren spezialisierte Expertenteams, die konzernweit für bestimmte Rechtsgebiete zuständig sind, etwa Kartellrecht, IP, Gesellschaftsrecht oder M&A. Diese Teams übernehmen sowohl Governance-Aufgaben als auch beratende Funktionen gegenüber den Business Units.

 

Wie bist du auf die Station aufmerksam geworden?

Ich bin über die Unternehmenswebsite auf die Wahlstation aufmerksam geworden. Dort werden offene Stationen regelmäßig ausgeschrieben. Zusätzlich habe ich mich im Vorfeld mit anderen Referendarinnen und Referendaren ausgetauscht, die mir Bosch als Stationsgeber empfohlen haben.

 

Welche Aufgaben hattest du in deiner Station konkret übernommen?

Als Referendar:in wird man einem festen Ausbilder oder einer Ausbilderin zugeordnet. Je nach Team-Team-Struktur arbeitet man entweder eng mit einem Business Team oder einem spezialisierten Expertenteam zusammen.

Die Tätigkeit ist stark praxisorientiert und erinnert in vielen Bereichen an die Arbeit in einer wirtschaftsrechtlich ausgerichteten Kanzlei. Typische Aufgaben sind das Verfassen von Memos, die Ausarbeitung und Überarbeitung von Verträgen, die Beantwortung konkreter Rechtsfragen interner Mandant:innen sowie die Vorbereitung von Präsentationen oder Schulungsunterlagen. Teilweise erhält man auch Einblicke in Vertragsverhandlungen oder strategische Entscheidungsprozesse.

Der inhaltliche Zuschnitt hängt maßgeblich vom jeweiligen Einsatzbereich ab. In einem Business Team kann man mit einer Vielzahl unterschiedlicher Rechtsfragen konfrontiert werden. In einem Expertenteam liegt der Schwerpunkt naturgemäß auf dem jeweiligen Spezialgebiet. Wer Eigeninitiative zeigt und aktiv den Austausch mit anderen Teams sucht, kann jedoch über das eigene Kerngebiet hinaus wertvolle Einblicke gewinnen.

 

Wie war dein Arbeitsalltag in der Station strukturiert?

Der Arbeitsalltag ist strukturiert, aber flexibel. Der Tag beginnt in der Regel gegen 9 Uhr. Viele Beratungsprozesse laufen mittlerweile digital ab, sodass ein Teil der Arbeit auch remote erledigt werden kann. Gleichzeitig wird die persönliche Präsenz im Team ausdrücklich begrüßt, insbesondere bei Besprechungen und Teamveranstaltungen.

Die Arbeitsatmosphäre ist kollegial und professionell. Gemeinsame Mittagessen im Team sind üblich, ebenso informelle Austausche nach Feierabend. Für Referendar:innen endet der Arbeitstag typischerweise gegen 18 Uhr, wobei die tatsächliche Arbeitsbelastung stark vom eigenen Engagement abhängt.

 

Welche Aspekte sind dir besonders positiv in Erinnerung geblieben?

Besonders positiv hervorzuheben ist die inhaltliche Breite der Tätigkeit. In einem Konzernumfeld wird Recht nicht isoliert betrachtet, sondern stets im Kontext wirtschaftlicher Zielsetzungen. Man entwickelt ein Verständnis dafür, wie juristische Beratung in strategische Unternehmensentscheidungen eingebettet ist.

Zudem ist die Bandbreite der Geschäftsbereiche beeindruckend. Von klassischen Industrieprodukten über technologische Innovationen bis hin zu softwaregetriebenen Zukunftsthemen – die juristischen Fragestellungen sind entsprechend vielfältig. Gerade diese Verzahnung von Technik, Wirtschaft und Recht macht die Tätigkeit besonders spannend.

Der interne Zusammenhalt ist ebenfalls bemerkenswert. Fragen werden offen diskutiert, Rückfragen sind ausdrücklich erwünscht und Eigeninitiative wird honoriert. Die Zusammenarbeit mit nichtjuristischen Fachabteilungen erweitert den eigenen Horizont erheblich.

 

Was lief aus deiner Sicht nicht optimal?

Optimierungspotenzial besteht aus meiner Sicht in der strukturellen Einbindung von Referendar:innen. Ein noch klarer definiertes Ausbildungsprogramm mit standardisierten Austauschformaten oder übergreifenden Workshops könnte den Mehrwert der Station weiter steigern. Ansätze in diese Richtung waren jedoch bereits erkennbar.

 

Wie waren deine Arbeitszeiten?

Die regulären Arbeitszeiten orientieren sich am jeweiligen Team. In der Praxis beginnt der Arbeitstag meist gegen 9 Uhr und endet für Referendar:innen typischerweise gegen 18 Uhr. Die tatsächliche Arbeitsbelastung hängt jedoch maßgeblich vom eigenen Engagement ab. Wer proaktiv Aufgaben übernimmt, zusätzliche Themen einfordert und teamübergreifend unterstützt, wird stärker eingebunden sein als jemand, der ausschließlich zugewiesene Aufgaben abarbeitet.

 

Mit welchem zeitlichen Vorlauf hast du dich für die Station beworben?

Sechs Monate sind ein sinnvoller Richtwert. Auch andere Teilnehmende haben diesen Zeitraum bestätigt und empfohlen.

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