Im Gutachtenstil fehlt häufig ein entscheidender Zwischenschritt: die Subsumtion.

Im Gutachtenstil fehlt häufig ein entscheidender Zwischenschritt: die Subsumtion. Law School Germany

Im Gutachtenstil läuft vieles nach dem gleichen Muster: Definition hinschreiben, Sachverhaltsangaben danebensetzen, Ergebnis formulieren. Das fühlt sich nach Subsumtion an. Ist es aber meistens nicht.

Was ist der häufigste Fehler bei der Subsumtion im Examen?

Der Kernfehler liegt in der direkten Verknüpfung von abstrakter Definition und konkretem Sachverhalt. Definitionen sind abstrakt formuliert – das ist ihre Funktion. Sachverhalte sind konkret. Wer beides direkt zusammenführt, produziert häufig keine echte Prüfung, sondern ein Nebeneinanderstellen zweier Textblöcke. Der Korrektor sieht: Definition zitiert, Sachverhalt abgeschrieben, Ergebnis behauptet. Eine eigene juristische Leistung ist nicht erkennbar.

Dieses Vorgehen funktioniert allenfalls bei einfachen Standardfällen. Sobald ein Fall mehrere Lösungen zulässt oder ein echtes rechtliches Problem aufwirft, bricht die direkte Verknüpfung zusammen. Wer keine konkretisierte Definition bildet, kann nicht sauber subsumieren.

 

Was ist der entscheidende Zwischenschritt beim Gutachtenstil?

Zwischen abstrakte Definition und konkreten Sachverhalt gehört ein Zwischenschritt: die Konkretisierung der Definition auf den vorliegenden Fall. Das bedeutet, die abstrakte Begriffsbestimmung so zu präzisieren, dass sie auf den spezifischen Sachverhalt anwendbar wird. Erst dann erfolgt die eigentliche Subsumtion – die Überprüfung, ob der konkrete Sachverhalt die konkretisierte Definition erfüllt.

Dieser Schritt ist kurz, aber zwingend. Er ist der Punkt, an dem juristische Denkarbeit sichtbar wird. Wer ihn weglässt, liefert keine Subsumtion, sondern ein copy-paste zweier Textblöcke. Wer ihn konsequent anwendet, stellt fest, dass der Gutachtenstil plötzlich einfacher und klarer wird – weil die eigene Denkbewegung explizit gemacht wird.

Wie übt man diesen Zwischenschritt?

Der Zwischenschritt lässt sich nur durch wiederholte Fallarbeit mit Feedback internalisieren. Wer nach jeder Klausur überprüft, ob seine Subsumtionen tatsächlich eine Konkretisierung enthalten oder ob sie lediglich Definition und Sachverhalt nebeneinanderstellen, erkennt das Muster schnell. Dann ändert sich die Gewohnheit – eine Klausur nach der anderen.

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