Amerikanische Großkanzleien haben 2025 ihre Einstellungspraxis grundlegend verändert. Erstmals machten erfahrene Associates die Mehrheit der Neueinstellungen aus. Nur noch 38 Prozent der neu eingestellten Associates kamen direkt von der Universität — ein deutlicher Rückgang gegenüber 46 Prozent in den beiden Vorjahren.
Laut einer aktuellen Marktstudie stellten US-Kanzleien 2025 insgesamt 24.441 Associates ein, fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Der Anteil der sogenannten Lateral Associates — also Quereinsteiger mit Berufserfahrung — stieg auf 49 Prozent, nachdem er 2024 noch bei 43 Prozent und 2023 bei 42 Prozent gelegen hatte. Der Anteil der Hochschulabsolventen sank im gleichen Zeitraum von 46 auf 38 Prozent.
Die Verschiebung hin zu erfahrenen Anwälten zeigt sich auch auf Partnerebene. Bei den 200 umsatzstärksten US-Kanzleien stiegen die Partnerzugänge um zehn Prozent. Die Entwicklung deutet auf einen branchenweiten Trend hin: eine Fokussierung des Recruitments auf Erfahrung. Kanzleien bevorzugen zunehmend Kandidaten, die sofort einsatzfähig sind und schneller zum Honorarumsatz beitragen können.
Technologie und Flexibilität als Treiber
Mehrere Faktoren erklären diese Entwicklung. Der Einsatz von Legal Tech und künstlicher Intelligenz lässt ein breites Aufgabenfeld verschwinden, das traditionell von Junior Associates übernommen wurde. Zudem ist die Anwaltsprüfung in den USA stärker standardisiert als früher: Die Verbreitung der Uniform Bar Examination erleichtert es Anwältinnen und Anwälten, in mehreren Bundesstaaten tätig zu werden — was Wechsel erleichtert.
Auch der Abschied vom Homeoffice in vielen Kanzleien könnte Associates zum Wechsel bewegt haben. Hinzu kommt eine deutliche Zunahme von Wechseln aus Regierungsbehörden in die Privatwirtschaft: Die Zahl der Anwälte, die das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht verließen, verdreifachte sich 2025 gegenüber dem Vorjahr und blieb auch im ersten Quartal 2026 auf hohem Niveau.
Trend auch in Deutschland
Abgesehen vom Behördenexodus treffen alle genannten Faktoren auch auf den deutschen Rechtsmarkt zu. Verbunden mit gesunkenen Einstellungszahlen könnte sich hierzulande zeitnah eine ähnliche Entwicklung beobachten lassen. Bereits jetzt berichten Recruitment-Abteilungen wirtschaftsprüfungsnaher Kanzleien über eine Vielzahl von Bewerbungen von Top-Kanzlei-Associates mit zwei bis vier Jahren Berufserfahrung. Diesen kann bei etwas niedrigerem Gehaltsniveau direkter Mandantenkontakt, eine akzeptable Work-Life-Balance und regelmäßige, interdisziplinäre Weiterbildungen geboten werden.
Quelle: Firm Prospects, Law Firm Associate Hiring Trends: The Five-Year Picture – Uncovering Trends in Law Student and Lateral Associate Hiring from 2021–2025

