Vom Juristen zum Krimi-Spielentwickler: Timothy Gläßels ungewöhnlicher Weg

Vom Juristen zum Krimi-Spielentwickler: Timothy Gläßels ungewöhnlicher Weg Law School Germany

Timothy hat Jura studiert und arbeitete als Jurist – doch nebenbei hat er etwas aufgebaut, das kaum jemand erwartet hätte: Er entwickelt zusammen mit Steffi selbstständig Krimi-Spiele. Was als Faszination für True Crime begann, wurde zum eigenen Produkt. Timothy bringt dabei die juristische Innenperspektive ein – Einblicke in Ermittlungsabläufe, in das Wesen von Verbrechen, in das, was hinter den Kulissen wirklich passiert. Ein Jurist, der Fälle nicht löst, sondern erfindet.

 

Warum hast du damals Jura studiert – gab es einen konkreten Grund?

Ich war zuvor auf einem Wirtschaftsgymnasium, an dem es auch das Wahlfach “Wirtschaft & Recht” gab. Der “Recht-Teil” hat mich hier immer besonders fasziniert und so lag ein anschließenedes Jura-Studium nahe.

 

Du sprichst selbst von einer „manchmal recht eintönigen Juristentätigkeit" – wie sah dein Berufsalltag konkret aus, bevor du Spiele entwickelt hast?

Ich habe vorher in der Compliance-Abteilung einer Bank gearbeitet. Auch wenn mir die Arbeit dort Spaß gemacht hat, hat sie wenig Raum für Kreatives geboten. Diesen Ausgleich habe ich in der Entwicklung der Spiele gefunden.

 

Wann hat die Faszination für True Crime bei dir angefangen – Podcasts, Serien, Dokus?

Bei mir waren es schon früh die Dokumentationen - noch bevor es den Begriff “True Crime” in Deutschland überhaupt gab. Seit dem Hype der letzten Jahre, schaue ich entsprechende Serien sehr gerne auf Netflix und höre diverse Podcast (z.B. “Verbrechen von Nebenan”). Dabei hat mich schon immer die Frage fasziniert, was Menschen in Extremsituationen dazu treibt, entsprechende Taten zu begehen und welche Methoden für die Ermittlungsbehörden vorrangig zum Erfolg führen.

 

Hast du als Jurist und Spieleentwickler einen anderen Blick auf True-Crime-Inhalte als die meisten Zuschauer?

Ich würde sagen: Teilweise. Ich ertappe mich schon häufiger beim Podcast-Hören oder Serie Schauen, wie ich mir denke “Daraus könnte man doch mal ein Spiel entwickeln”. Vor allem sind es kleine Elemente, einzelne Indizien oder auch Motive, die mich inspirieren.

 

Wie ist aus der Faszination die Idee geworden, eigene Krimi-Spiele zu entwickeln? 

Meine Frau und ich sind selbst leidenschaftliche Gesellschaftsspieler und nach einem Abend mit einem Rätselspiel, das uns leider nicht ganz überzeugen konnte, haben wir uns gefragt: “Können wir das nicht auch?” bzw. “Können wir das vielleicht sogar besser?”. Kurz danach entstand der erste Prototyp, der unsere Familien und Freunde so sehr begeistert hat, dass wir einen kleinen Onlineshop eröffnet haben, der innerhalb von kürzester Zeit größer wurde, als wir es uns je hätten vorstellen können.


Wie habt ihr als Team – du und Steffi – zueinandergefunden, und wie ergänzt ihr euch?

Steffi und ich sind seit fast 4 Jahren verheiratet und seit etwa 7 Jahren ein Paar. Wir ergänzen uns sowohl privat als auch beruflich perfekt. Während meine Kreativität manchmal mit mir durchgeht, erdet mich Steffi mit ihrem rationalen und analytischen Denken. Ich bin für die Spieleentwicklung und das Marketing zuständig, Steffi für die Lagerhaltung und Administrative. 


Was war das erste Spiel, und wie haben die ersten Reaktionen ausgesehen?

Unser erster Fall war “Fall 1: La Famiglia” - ein Mafia-Mord in Italien. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass die Geschichte recht “simpel” ist, bzw. man die Story bereits kennt. In den weitern Spielen wurden die Storys dann oft etwas kreativer und teilweise sogar verrückter. Von den Rätseln und der Spielmechanik her, ist Fall 1 aber immernoch eines unserer beliebtesten Spiele.

Der Prototyp zum ersten Spiel lag lange bei uns herum, bevor wir uns überhaupt getraut haben, Freunde und Familie um einen Test zu bitten. Jeder, der schoneinmal viel Herzblut und Leidenschaft in ein Projekt gesteckt hat, weiß, dass die Vorstellung, externes Feedback zu erhalten, durchaus beängstigend sein kann. Aber zu unserem großen Glück (und teilweise unserer Überraschung), war das Urteil durchweg positiv und so haben wir uns an den Verkauf gewagt. Und heute kann ich voller Stolz sagen: Auch das Urteil unserer Kunden ist nach wie vor vergleichbar positiv!

 

Welche konkreten Einblicke bringst du als Jurist in die Spielentwicklung ein?

Ich glaube, dass ich vor allem das konkrete Wissen darüber, wie eine echte Fallakte aufgebaut ist, einbringen kann, was unsere Spiele besonders realistisch macht. Besonders stolz macht mich das Feedback vieler Polizisten und Juristen, die uns das bereits bestätigt haben.


Wie viel von dem, was in euren Spielen passiert, ist nah an der Realität – und wo weicht ihr bewusst davon ab?

Die Spiele unserer “True Crime Reihe” basiert jeweils auf einem echten, unegelösten Kriminalfall. Auch hier ändern wir aber natürlich die Namen der beteiligten Personen ab und erlauben uns auch kreative Freiheiten, um die Spiele spannend und kurzweilig zu gestalten.


Gibt es Grenzen, die du dir setzt – Dinge, die du nicht als Spielinhalt verwenden würdest?

Ich würde niemals Straftaten gegen Kinder in die Spiele mit aufnehmen, keine Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung oder die Namen real existierender Personen verwenden.

Wir haben auch eine Spielereihe, bei der man die Seiten wechseln und das perfekte Verbrechen planen kann. Auch hier haben wir ganz bewusst darauf verzichtet, einen Mord planen zu lassen. Stattdessen hat man die Möglichkeit, als Meisterdieb beispielsweise ein wertvolles Gemälde aus einer Galerie zu stehlen.

 

Ihr habt eine wachsende Community aufgebaut – was bedeutet dir das persönlich? 

Das bedeutet mir unglaublich viel! Es gab einen konkreten Moment zum letztjährigen Weihnachtsfest, wo Steffi und ich uns angeschaut haben und ungläubig festgestellt haben, dass mehrere zehntausend Menschen dieses Jahr eines oder mehrere unserer Spiele unter dem Weihnachtsbaum finden werden. Das ist nach wie vor unglaublich für mich, macht mich stolz, glücklich und so dankbar.


Was ist als nächstes geplant, und wohin soll das Projekt langfristig gehen?

Wir versuchen, die Spieleszene durch große und kleine Innovationen immer weiter zu begeistern. In der Vergangenheit konnten wir bereits eine KI entwickeln, die es nun ermöglicht, im Rahmen unserer Spiele tatsächlich Verdächtige zu befragen. Außerdem haben wir Konzepte entwickelt, bei denen man als Meisterdieb das perfekte Verbrechen plant oder aus dem Gefängnis ausbrechen muss. So soll es auch in der Zukunft weitergehen!

 

 

Abschlussfrage Der Jurastudent, der sich damals nie hätte vorstellen können, eines Tages Krimi-Spiele zu erfinden – was würde er sagen, wenn er das heute sehen könnte?

Ich glaube, er würde fragen: “Macht dich das, was tust, glücklich?”. Und nachdem ich das mit einem großen Lächeln und voller Überzeugung bejahen kann, würde er sich auf das freuen, was seine Zukunft für ihn bereithält. 

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