Jura und Comedy — das klingt zunächst wie ein unwahrscheinliches Duo. Baran beweist jedoch, dass beides nicht nur vereinbar ist, sondern sich auf eigentümliche Weise ergänzt. Der Volljurist steht regelmäßig auf der Bühne, betreibt Social Media und hat das trockene Jurastudium nicht trotz, sondern wegen seiner Trockenheit als kreatives Ventil entdeckt. Im Interview erzählt er, wie er zur Comedy gekommen ist, warum er auf der Bühne am liebsten Erwartungen zerstört — und was die Schriftsätze seiner Gegner mit seinem Humor zu tun haben.
Interviewfragen
Wie warst du in der Schule? Warst du schon damals eher der Typ, der den Unterricht aufgelockert hat – oder war das Klassenclown-Image eher anderen vorbehalten?
Klassenclown würde ich micht nicht bezeichnen, ich habe zwar oft mein Kommentar zu etwas gegeben, aber ich war nicht derjenige, der gerne Witze im Unterricht gemacht hat, um 5 Sek. die vollste Aufmerksamkeit zu bekommen. Das habe ich lieber anderen überlassen hahahah.
Wie bist du zu Jura gekommen? War das eine bewusste Entscheidung oder hat sich das mehr so ergeben?
Ich wollte eigentlich nicht Jura studieren, sondern Psychologie. Ich habe aber am Ende in Psychologie nur absagen bekommen (hahahahah). Es gab nur eine Zusage und das war Jura. Ich wollte etwas anspruchsvolles studieren und bin daher am Ball geblieben, weil ich etwas anfange, will ich es zu Ende führen. Mittlerweile bin ich jedoch dankbar, dass ich diesen Weg gewählt habe, weil das Jurastudium so trocken ist, dass ich dort realisiert habe, dass ich eigentlich voll der kreative Mensch bin. Ich glaube, wäre das Studium abwechslungsreich, hätte ich dieses “Talent” nie entdeckt.
Wie waren die ersten Semester für dich? Gab es einen Moment, wo du dachtest: „Hier passt irgendetwas nicht"?
Die ersten Semester waren voll komisch, alles war mir neu und schon vom ersten Tag aus habe ich gemerkt, dass das Niveau echt hoch ist und keiner auf dich achtet, ob du am Ball bleibst oder nicht. Es hat schon damals angefangen, als ich in BGB AT saß und die Professorin von Normen was erzählt hat und ich mir dachte “Diggah was ist eine scheiss Norm, ich kenne dieses Wort nicht”. Bei der nachfolgenden Vorlesung dachte ich, dass ich gerade Strafrecht höre und nach 30 min habe ich gecheckt, dass es Grundrechte war. Und solche vielen kleinen Momente hatte ich oft.
Hast du andere im Studium auch schon unterhalten? Memes, Witze in der Lerngruppe, Chaos in der Übung – was war dein Repertoire?
In meinem Freundeskreis in meiner Uni (ich bin bis heute noch mit den meisten befreundet) da war ich nicht der “Entertainer”. Wir waren alle sehr ausgeglichen, jeder hat mal seinen witzigen Spruch dazu gegeben, ohne dass er irgendwie in der Gruppe herausstach. Wir haben uns alle über Jura ständig lustig gemacht, eigentlich hält das bis heute an. Meine Freunde und ich nehmen oft diese Juristen-Welt gar nicht ernst. Die hauen manchmal noch heute krasse Sprüche raus.
Wie hat deine Comedy-Karriere begonnen?
Instagram habe ich angefangen, als mir langweilig war und ich eigentlich für meine Schwerpunktklausur lernen sollte. Ich habe Insta als mein Ventil benutzt, um den Scheiss aus meinem Kopf in die Form von dummen Sprüchen und Memes zu packen. Irgendwann waren mir Memes langweilig und dann habe ich Reels gemacht. Da habe ich gemerkt, dass ich bei Reels auch nur 20% meiner Kreativität auslebe. Nachdem ich ein paar Comedyshow einfach so als Zuschauer besucht habe, dachte ich mir “Ich kann das auch” und man sieht jetzt, was daraus geworden ist. Ich labber 10 min auf der Bühne irgendein dummen Scheiss und die Leute feiern das (meistens). Dass ich vor zahlreichen echten Menschen nun rede und diese zum Lachen bringe, daran habe ich mich schnell gewöhnt und ich liebe diese Reaktion, die man direkt nach dem Spruch bekommt. Bis jetzt würde ich Comedy als die schönste Kunstform betiteln, die ich gemacht habe.
Humor zielt manchmal auch darauf ab, Missstände zu kritisieren. Machst du das auch?
Ich finde du kannst in Form von Comedy alles besprechen, wirklich alles. Natürlich darfst du nicht übertreiben und die Witze dürfen nicht Leute erniedrigen (weil ab da ist es nur beleidigen). Deshalb würde ich sagen, man kann auf der Bühne alles ansprechen, was einen im Herzen belastet und es in die richtige Kunstform der Stand Up Comedy packen. Ich versuche aber, dass alles sein Gleichgewicht hat, dies bedeutet, dass ich nicht 30 Min darüber rede, was in der Gesellschaft derzeit schief läuft, sondern vlt 5 oder 10 min das anspreche und dann zu irgendeinen dummen Scheiss was gar nichts damit zututn hat, fortsetze.
Gibt es ein Format, ein Thema, eine Pointe, bei der du weißt: Das funktioniert immer?
Meine besten Jokes sind diejenigen, wo ich einfach das Bild eines seriösen Juristen (den alle haben, sobald sie hören, wie ich mein Geld verdiene) einfach kaputt mache. Ich liebe es auf der Bühne Erwartungen kaputt zu machen. Meine Witze, wo ich alles aus meiner komischen Perspektive (aber immernoch die eines Juristen) erzähle, mag das Publikum besonders. Mein Ziel durch meine Auftritte ist es einfach, dass sich die Leute denken “wie konnte der Jurist werden???”. Das ist die Kunstform, die ich auf der Bühne repräsentieren möchte.
Was bringt dich zum Lachen – abseits der eigenen Nummern?
Die Schriftsätze meiner Gegner vor Gericht (höhöhö).
Wie bekommst du heute deinen Alltag als Volljurist, Social-Media-Creator und Stand-up-Comedian unter einen Hut?
Es ist wirklich schwer, das sage ich nicht den Leuten oder meinen Followern, alles unter einen Hut zu bekommen ist sehr kräftezehrend. Job ist natürlich Nummer 1 und Comedy und Social Media Nummer 2 und beides zusammen zu machen, überfordert mich auch manchmal. Bei mir ist es immer so, wenn ich mehr Comedy mache, vernachlässige ich Social Media, wenn ich mehr Social Media mache, vernachlässige ich Comedy. Das bekommen die Leute echt nicht mit, dies will ich auch nicht, weil ich im Internet nicht mein Leben oder Alltag poste, sondern eher meine Kunst ausleben möchte. Ich bin kein “Influencer” der sein Leben preisgibt, so einer will ich nicht sein/werden, man kann mich eher so als einen coolen Dude sehen, der einfach mal seine komischen Gedanken den Leuten mitteilt und Comedy macht.
Was kannst du Studierenden und Referendaren mit auf den Weg geben? Besonders diejenigen, die sich fragen, ob ein kreativer Nebenpfad überhaupt mit einer juristischen Karriere vereinbar ist.
Aufjedenfall! Ich empfehle jedem Juristen ein kreatives Hobby, weil es ein super Ventil zur trockenen Jurawelt ist! Ich persönlich würde untergehen, wenn ich mich nicht kreativ beschäftigen würde und nur “Jura” machen würde.
Natürlich habe ich immer Angst, ob ich etwas übertreibe, weil Humor eigentlich nicht etwas, was man einem Juristen zuschreiben würde. Deswegen mache ich mir oft Gedanken, ob das Probleme mit dem Job führt. Aus dem Grund versuche ich beides so gut wie möglich zu trennen und mein “Job Leben” nicht so viel Preis zu geben. Also meine Freizeit, Persönlichkeit und meine Job Persönlichkeit sind schon verschieden und ich trenne sie. Alle, die mich mal auf dem Gerichtsflur gesehen haben, wissen was ich meine. Keiner soll einfach denken, dass ich meinen Job nicht ernst nehme. So eine Sichtweise wäre auch falsch, weil Leute ja augenscheinlich zu dir kommen mit ihren Problemen und diese Probleme versuchen so gut wie möglich und ernst zu nehmen.
Gibt es etwas, was du im Nachhinein im Studium anders gemacht hättest?
Ja, ich hätte nicht den Schwerpunkt nehmen sollen, wo man bester Freund war, sondern eines, was mich wirklich interessiert. Selbe auch für Rep.
Abschlussfrage: Ist Stand-up-Comedy auch eine Art Therapie – um die Drucksituationen im Studium zu verarbeiten?
Mein Publikum besteht (leider) nicht aus Juristen. Wäre es Juristen, die würden dann richtig abgehen und das übertrieben feiern. Für mich ist das keine Therapie, sondern eher ein Ausgleich. Therapie finde ich zu hart. Und für Juristen wäre meine Comedy auch was schönes für sie, weil ich ihnen zeige, dass Rechtswissenschaft auch witzig sein kann!

