Die Anwaltsstation ist für viele Referendare die praxisrelevanteste Station des Referendariats – und gleichzeitig die, die am wenigsten strukturiert ist. Was man erwarten kann, worauf man achten sollte und wie man sie optimal nutzt.
Was passiert in der Anwaltsstation?
Die Anwaltsstation dauert je nach Bundesland zwischen drei und neun Monaten und ist damit eine der längsten Stationen des Referendariats. Sie findet typischerweise in einer Rechtsanwaltskanzlei statt, kann aber auch bei einer Unternehmensrechtsabteilung, einem Verband oder einer Behörde mit rechtsberatender Tätigkeit absolviert werden. Der Inhalt der Station hängt stark vom jeweiligen Ausbildungsplatz ab. Wer in einer Großkanzlei mit Schwerpunkt M&A landet, erlebt ein anderes Referendariat als jemand in einer kleinen Generalistenkanzlei in der Provinz.
Typische Tätigkeiten sind das Entwerfen von Schriftsätzen, die Mandantenbetreuung, die Vorbereitung von Verhandlungen und – in größeren Kanzleien – die Mitarbeit an komplexen Transaktionsprojekten. Viele Referendare bearbeiten gegen Ende der Station kleinere Mandate weitgehend selbständig – stets unter der formellen Verantwortung des ausbildenden Anwalts.
Wie wählt man die richtige Kanzlei für die Anwaltsstation?
Die Wahl hängt davon ab, was man aus der Station herausholen möchte. Wer einen Einstieg in eine bestimmte Kanzlei anstrebt, sollte die Station gezielt dort absolvieren – viele Kanzleien nutzen die Anwaltsstation als verlängertes Vorstellungsgespräch. Wer dagegen möglichst viel für das Examen lernen will, ist in einer mittelgroßen Generalistenkanzlei oft besser aufgehoben, weil dort selbständiges Arbeiten an einer breiteren Themenpalette möglich ist.
Wichtig bei der Bewerbung: Frühzeitig bewerben, idealerweise sechs bis zwölf Monate im Voraus. Große Kanzleien vergeben Referendariatsplätze in festen Runden. Kleine Kanzleien sind flexibler, aber oft ausgebucht, wenn man zu spät fragt.
Was sollte man in der Anwaltsstation für das Examen mitnehmen?
Die Anwaltsstation bietet eine seltene Gelegenheit: echte Fälle, echte Mandanten, echter Zeitdruck. Wer diese Erfahrungen aktiv reflektiert – welche Normen angewendet wurden, wie die Subsumtion im echten Fall aussieht, wie Schriftsätze aufgebaut sind – gewinnt ein Praxiswissen, das im Examen unmittelbar nützlich ist. Darüber hinaus ist die Anwaltsstation die beste Möglichkeit, berufliche Kontakte zu knüpfen, die später relevant werden.

