Viele Examenskandidaten lernen mit Fällen – und fallen trotzdem durch. Der häufigste Grund ist nicht fehlendes Wissen, sondern ein bestimmter Moment, an dem sie immer wieder abbrechen: nach der Gliederung.
Warum reicht eine Gliederung nicht für die Examensvorbereitung?
Eine Gliederung zu erstellen, den Aufbau zu erkennen und die Anspruchsgrundlagen zu identifizieren ist wichtig. Es ist aber nicht die Vorbereitung, die im Examen zählt. Im Examen muss vollständig und unter Zeitdruck ausformuliert werden. Wer das vorher nicht regelmäßig trainiert hat, trifft auf eine Aufgabe, die er noch nie wirklich geübt hat.
Das Problem ist weit verbreitet. Viele Studierende analysieren Fälle, erstellen Lösungsskizzen und vergleichen sie mit der Musterlösung – und halten das für vollständige Klausurarbeit. Der Vergleich mit der Musterlösung zeigt jedoch nur, ob man die richtigen Stichworte identifiziert hat. Er zeigt nicht, ob der Gutachtenstil stimmt, ob die Subsumtion zur Definition passt, ob die Schwerpunktsetzung funktioniert oder ob das Ganze unter Zeitdruck überhaupt lieferbar ist.
Wie viele ausformulierte Klausuren braucht man für das Examen?
Es gibt keine feste Zahl, die für alle gilt. Realistisch sind 25 bis 40 vollständig ausformulierte Klausuren in der Examensvorbereitung – je nach Ausgangsniveau und verbleibender Zeit. Wer spät anfängt, schreibt unter mehr Zeitdruck mehr Klausuren pro Woche. Wer früh anfängt, hat den Vorteil, aus jeder Korrektur tatsächlich etwas mitzunehmen und es im nächsten Durchlauf anzuwenden.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Anzahl, sondern die Qualität des Feedbacks. Eine Korrektur, die konkrete Verbesserungsvorschläge liefert – nicht nur allgemeine Anmerkungen – ist der eigentliche Hebel. Ohne präzises Feedback bleibt offen, was genau verbessert werden muss. Und ohne diese Information wiederholt sich derselbe Fehler in der nächsten Klausur.
Was ist der erste konkrete Schritt?
Nimm eine Originalklausur, setze dir 90 Minuten und formuliere vollständig aus – ohne vorheriges Lesen, ohne Nachschlagen. Danach folgt Korrektur und konkretes Feedback. Dann die nächste Klausur. Nicht nach der Gliederung aufhören, sondern genau dort weitermachen, wo es fürs Examen tatsächlich relevant wird.

